Laudatio von Thomas Lindemann anlässlich den 75sten Geburtstages unseres Stadtvogtes

 

Originaltext vom 14.9.2019

Kommt jetzt eine Laudatio? Das Wort stammt vom lateinischen Wort laudare, loben, preisen. Ein Laudatio ist also eine Lobrede für jemanden, der Lob verdient hat. Idealer Weise jemanden, den man kennt, am besten gut kennt. Peter und ich kennen uns seit ungefähr 11 Jahren. Das ist ziemlich kurz. Und: gut kennen? Mögen? Ja, klar, sehr. Aber was verbindet uns? Wir sind beide im Raum Baden-Baden geboren. Karlsruhe ist die Stadt, in der wir aufgewachsen sind. Der gleiche Geburts-Tag. Ok. Beim Geburtsjahr unterscheiden wir uns etwas. Eine Laudatio dir zu Ehren, lieber Peter. Im Namen der VAB, der du seit nunmehr 51 Jahren jede Menge Zeit geschenkt hast. Eine solche Laudatio kann ich nicht halten. Umso erfreulicher, das die langjährige Vizevorsitzenden Helga Bischoff das im Juli des vergangenen Jahres an gleicher Stelle bereits getan hat. So war ich lediglich versucht, ihre schöne Rede mit all ihren Dankesworten zur Verleihung der Goldenen Ehrennadel der VAB, an die wir uns alle wohl noch ziemlich gut erinnern, abermals vorzutragen, angefangen von deinem ersten Job als Marktplatzsprecher bis hin zur Wahl als Stadtvogt. Was haben wir seither nicht alles Wunderbare darüber in der Presse lesen können? Dies hier zu wiederholen, es wäre Lobhudelei. So will ich es bei einer kurzen offiziellen Gratulation belassen.

Und ich schreite zur Tat mit einem klitzekleinen Rückblick auf 75 Jahre Peter Dick – das ist übrigens keine Künstler-, sondern sein echter Name – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Und auch mit der Richtigkeit ist es so eine Sache. Ich habe alles nach bestem Wissen und Gewissen eruiert und notiert, konnte aber meine eigene Schrift schließlich nicht mehr überall entziffern. Und so hoffe ich, dass ich nicht zu viel durcheinander bringe.

Ich war gerade mal vier Jahre alt, als du deinen Fuß nach Bretten und der Mensch seinen auf den Mond gesetzt hat. Du warst 24, als du um die Osterzeit 1969 hierher kamst, um deine erste Lehrerstelle anzutreten. Du bist nicht alleine ausgewandert, sondern hattest deine Monika im Gepäck, die du im gleichen Jahr geehelicht hast.

Peter ist im nördlichen Schwarzwald in Achern geboren. Dort am Fuße der rund 1.200 Meter hohen Hornisgrinde wurde ihm 1944 vermutlich die Liebe zu den Bergen und zum Wandern in die Wiege gelegt. Eine lebenslange Passionsgeschichte. In Offenburg, einer Stätte der Revolution, ist er in der damals französisch besetzten Zone in den Kindergarten und die ­Volksschule gegangen. Ich vermute, es war der Job des Vaters, der beim Oberkirchenrat Chef der Finanzen war, weswegen die Familie nach Karlsruhe umzog, wo der kleine Peter erst die ­Südendschule und dann das Goethe-Gymnasium beehrte. „Nur für Jungen“, wie er in einem Lebenslauf, der mir vorliegt, ergänzt. Gottseidank gibt es die Kirche. Und ihre legendären Jugendkreise, wo er 1962 der nicht mehr ganz so kleinen Moni über den Weg läuft. Und sich ziemlich arg in sie verknallt. So weit, so gut. Sie sich aber nicht in ihn. Sie ­hatte da noch ein Auge auf einen gewissen gemeinsamen Freund Manfred geworfen – nicht Klöpfer, der betritt erst später die Bildfläche. Peter spielte zwar, wie er nicht nur an lauschigen Lagerfeuern unter Beweis stellte, ganz ordentlich Gitarre, aber er war halt eher zurückhaltend, nicht unbedingt der knallharte Draufgänger. Er musste erst noch ganz schön baggern. Wann, wie und wo genau der Funke schließlich doch noch übersprang, der erste Kuss bei Einbruch der Dunkelheit, in welchem Karlsruher Hausflur? Darüber tauscht ihr euch mit den beiden am besten direkt aus, die bekanntermaßen unlängst ihre Goldene Hochzeit gefeiert haben.

Noch vor dem Abi 1964 jedenfalls hat’s geklappt. Monikas Eltern waren zunächst eher wenig begeistert von dem jungen Herrn, der alsbald ihre Tochter nach Bretten verschleppen sollte und der jede Gelegenheit nutzte, um von Wildflecken, Hammelburg oder Bremen, wo er seine Bundeswehrzeit absolvierte, manchmal auch nur für einige wenige Schäferstündchen nachhause nach Karlsruhe zu kommen. Hier studierte er an der PH Sport, evangelische Religion und Geschichte, womit er schließlich an der Hebelschule in Bretten debütierte. Hierher kehrt er nach Zwischenstationen 1983 auch zurück, wird dort Schulleiter.

Diese ersten fünf kinderlosen Jahre genießt das frisch ­vermählte Paar in vollen Zügen. Seit 1963 – bis vor eineinhalb Jahren übrigens – singen sie gemeinsam im Karlsruher Gospelchor, beglücken die angesagten Karlsruher Tanzlokale mit nächtlichen Besuchen. Gleichwohl stellt sich mit zunehmender Kenntnis über den Entstehungsprozess von eigenen Sprösslingen bald eine gewisse Ungeduld bei Monika ein, wann es denn nun endlich soweit sei mit dem Nachwuchs. 1972 stellt sie ein Ultimatum: „Entweder werde ich bis zum Endes des Jahres schwanger oder ich will einen Hund.“ Christian heißt der. Nicht der Hund, sondern der 1974 erstgeborene Sohn, dem drei Jahre später Tochter Claudia und mit Leander, Ronja, Elena, David und Elias inzwischen fünf Enkel gefolgt sind. Zwei oder drei Hunde, sehr treue Gefährten der Familie, schließlich auch. – Peter liebt Kinder, was zahllose solcher Geschöpfe, die bei ihm die Schulbank gedrückt haben, bestätigen können.

In der Lehrerausbildung, als Lehrbeauftragter für Schulrecht und als Führungsseminarleiter macht er sich schnell einen Namen. Er war als Weiterbilder, wie sich etwa Berufskollegin Christa Franck erinnert, ein ziemlich guter Typ, bei dem man immer dachte, die rufen ihn ins Ministerium oder ins Schulamt ab und dann isser weg. Allen Versuchungen zum Trotz ist er der Hebelschule bis zu seiner Pensionierung 2008 ebenso treu geblieben wie der Vereinigung Alt-Brettheim.

Kaum war er hier, wurde er Sprecher jenes Festes, das allem Anderen voran seinen Namen trägt: Peter-und-Paul-Fest. Der damalige Stadtvogt Werner Sailer wusste schon früh: „Du wirsch mein Nachfolger“. Das ist er 1994 auch geworden und er ist es bis zum heutigen Tage. Und er erfüllt dieses Amt mit Würde, mit Augenmaß, mit Format und mit Erfolg. Was uns erfüllt mit großer Dankbarkeit für dein großes Engagement, die wir unter anderem mit diesem kleinen Stelldichein hier heute morgen zum Ausdruck bringen wollen.

Wenn wir ihn während des Festes und auch heute hier in seinem Gewand in vollem Ornat sehen, dann blicken wir auf einen in der Tat großen Vorsitzenden, den sogenannten „GroVors“. Manchen war oder ist er auch ein „GroForz“, vor allem wenn er in Sachen etwa mittelalterlicher Mode eine manchmal vielleicht etwas, sagen wir, eigenständige Meinung vertrat. Unser lieber Manfred Klöpfer, den ich eingangs kurz erwähnte, hat ihn einst so getauft.

Nun mit diesem Stichwort „Mode“ bewege ich mich auf dünnes Eis zu. Welchem weitgereisten Coiffeur gehört Peters ganzes Vertrauen. Ist Peter Dick, der dank seiner bis heute ziemlich intensiven sportlichen Aktivitäten – 10 km rennt er noch immer ganz locker unter einer Stunde, oft mehrfach die Woche, und auf dem Bike ist er auch ziemlich gut; man sieht es an seiner durchtrainierten Figur – ist dieser Mann ein modischer Typ? Das habe ich mich und schließlich Monika gefragt. Das sei ein Kapitel für sich. Wie das auf der Kreuzfahrt gewesen sei, die die beiden anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit kürzlich im hohen Norden gemacht haben? Ob man da abends, ich konnts mir das einfach nicht vorstellen, im Dinner Jacket aufkreuzen musste? Nein, so formell sei es nicht gewesen. Aber: Er liebe Krawatten. Oha! Cordhosen, ja, das habe ich beobachtet. Und Polos und Pullover geheimnisvoller Provenienz. Ich tippe auf die ganz abgefahrene Line von Dolce & Gabbana und komme zu dem Ergebnis, Peter ist kein Mensch, der Moden hinterher oder gelabelt durchs Leben läuft. Da ist er völlig uneitel. Er lacht gerne, freut sich an der Mundart von Harald Hurst, die ungünstiger Weise im falschen Verlag erscheint, ebenso wie an einem guten Krimi, er mag Natur-Dokus, schwimmt, hält Fleisch für das beste Gemüse und hat es nicht mit getrüffelter Gänseleber an Parmesan-Kaviar-Schaum, sondern lieber mit Jägerschnitzel und Spätzle. Mit Soße, bitteschön. Er ist fair und loyal, eher ein bißchen introvertiert, von stets ruhiger, gelassener Art. Verarbeitet Probleme, mit denen er andere nicht belasten will, nicht im Disput, sondern eher beim Laufen im Wald. Und er ist ... Jungfrau. Er hat einen ausgeprägten Ordnungssinn. Wer im täglichen Leben, etwa auf dem Schreib- oder Frühstückstisch, ein Durcheinander hat, der hat auch im Kopf eines. Und wer will das schon gerne haben? Obwohl Chaos ja auch Kreativität bedeuten kann. Aber dann wäre er vermutlich Künstler, nicht Lehrer geworden. Was er sehr, sehr gerne geworden und gewesen ist. Auch außerhalb der Schulmauern. Von wegen Schulmeisterlich: Inzwischen mischt er sich, sehr zu ihrer Freude, bei gemeinsamen Ausfahrten mit dem französischen Automobil übrigens endlich kaum noch in die Fahrkünste seiner Gemahlin ein.

Das ist nicht zuletzt eine Verneigung vor Monika, die ihn viele Jahre lang immer wieder, oftmals bis in den Abend, entbehren musste, weil er ehrenamtlich bereits ohne den VAB-Vorsitz viel an der Backe hatte und ständig auf Achse war. Den durfte er nur zusagen, das war damals der eheliche Deal, wenn er auf einen anderen Posten verzichten würde. Den Sportvereinsvorsitz hat er daraufhin an den Nagel gehängt, nicht jedoch den Ausdauersport, wozu wir auch ausgiebige Wandertouren zählen. Torturen wäre vielleicht der passendere Begriff für die zahllosen Urlaube in Südtirol, Österreich und der Schweiz gewesen, das optimale Fitnessprogramm für den einen, eine Qual für die andere. Hat ja niemand behauptet, dass das Eheleben ein Ponyhof sei. Es besteht aus steten Zugeständnissen und Kompromissen. Dazu gehörte für Monika die Nordsee, die beide inzwischen lieb gewonnen haben. Island würde sie noch reizen. Den Tandemsprung hat er abgehakt. Bungee? Wir denken drüber nach. Aber eine Alpenüberquerung, das wäre es noch. Von Oberstdorf nach Meran vielleicht? Da wäre ich dabei, lieber Peter.

Man gönnt sich ja sonst nicht viel. Abends mal einen guten Rotwein. Gerne einen Cognac. Stets maßvoll. Wenn andere schon sternhageldicht bei der alljährlichen Schwarzbierprobe im November unter die Tische der Krone sacken, steht er immer noch seinen Mann. Kaum einer kanns glauben, dass der Peter dermaßen viel verträgt, da steht der schon wieder an der Theke und lässt sich dieses göttliche, dunkle Gebräu nachschenken. Obwohl er nachts schlechter schlafen kann, ist er der einzig Fitte am nächsten Morgen. Ein Tier, der Peter. Es vergehen einige Jahre bis Gerhard ihm kurz vor dem eigenen Delirium vor lauter Durst einmal das Glas aus der Hand reißt und in einem Zug leert. Die schwarze Kunst heißt Coca-Cola.

Viele von euch haben Peter in all diesen langen Jahren bei der VAB begleitet. Keiner war, außer seiner Frau, länger an seiner Seite als Dieter Petri, Manfred Klöpfer, Gerhard Franck. Die Viererbande. Echte Weggefährten, die so vieles miteinander erlebt und erreicht haben, darunter Leuchttürme wie dieses schnuckelige Vereinsheim und die Aufnahme unseres Festes in die Liste des Immateriellen Kulturerbes. Ein Meilenstein in unserer gemeinsamen Geschichte.

Bevor wir nun, lieber Peter, dir zum großen Dank verpflichtet, auf dich das Glas erheben, möchte ich noch einen anderen Meilenstein zu Gehör bringen, eine rare Trouvaille aus dem Jahre 1994. Es handelt sich um ein amerikanisches Lied aus den Jahren um 1860. Es bezieht sich auf die Bibelstelle Exodus 3,10, in der Gott Mose befiehlt, wir wissen das freilich alle, zum Pharao zu gehen und die Freilassung der Israeliten aus der ägyptischen Sklavengefangenschaft zu fordern. Und ihr habt natürlich alle völlig Recht, das hat aber auch überhaupt nichts mit der VAB oder mit Peter-und-Paul zu tun. Wenn man vom Motiv der Befreiung absieht. Aber mit Peter, einer wichtigen Säule und tragenden Stimme dieses Vereins.

(Einspielung CD, „Go down, Moses“, Solo Peter Dick)

Stimmgewaltig. Ich glaube es nach wie vor kaum. Herzlichen Dank euch allen fürs Zuhören. Und nun freue ich mich, Landesehrenkommandant und Ehrenkommandant der Bürgerwehr Bretten Oberst Rudolf Hess sowie Kommandant der Bürgerwehr Bretten Hauptmann Dieter Petri zu mir zu bitten.

(Es folgt die Überreichung der Goldenen VAB-Ehrenmedaille)

 

 

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